Erasmus Sarcerius

19.4. (?) 1501 Annaberg, † 28.11. 1559 Magdeburg. - Prediger, Verfasser didaktischer Schriften. S. wurde nach seinem Studium der Theologie in Leipzig und Wittenberg von Johannes Bugenhagen als Konrektor in das reformierte Lübeck berufen. 1536 übernahm er in Siegen das Amt des Rektors der Lateinschule, und im folgenden Jahr bestellte ihn Graf Wilhelm von Nassau zum Hofprediger und Superintendenten des Landes. Als streng lutherisch gerichteter Geistlicher reformierte er die Grafschaft Nassau-Dillenburg, und auch an der Kölner Reformation war er beteiligt. Im November 1545 berief ihn Graf Philipp von Hanau zur Reformation der kirchlichen Verhältnisse ins Land Babenhausen. Nach dem Interim wurde S. Pfarrer an St. Thomas in Leipzig und ab 1553 Superintendent in der Grafschaft Mansfeld; seit 1559 wirkte er als Prediger in Magdeburg. Zur besseren Ausbildung der Geistlichen führte S. zahlreiche Visitationen durch und er rief mehrere Synoden ein. Miz Bibelexegesen und -kommentaren, katechetischen Texten, Predigten und pädagogisch-didaktischen Schriften bezog der theologisch sehr belesene, außergewöhnlich produktive S. kritische Position zu den interkonfessionellen Auseinandersetzungen seiner Zeit. Daneben widmete er sich in seiner literarischen Tätigkeit auch moralischen und gesellschaftlichen Themen. In seinen "Predigten vom Fasten" etwa verurteilt er beliebte volkstümliche Sitten und Vergnügungen, die er als Blasphemie bezeichnet. In seinen Ehetraktaten entwirft S., der "zu den gediegensten und lautersten Persönlichkeiten im Kreise der lutherischen Theologen des Reformationszeitalters" (RE) gehörte, das Modell der reinen Ehe, die sich dem Schutz und den Bestimmungen der weltlichen Obrigkeit zu unterwerfen hat.

Werke: (Auswahl): Catechismus per omnes questiones et circumstantias, quae iustam tractationem incidere possunt, in usum praedicatorum diligenter ac pie absolutus. Marburg 1537; Loci aliquot communes theologici (...) pro aperienda et tuenda veritate methodice explicati. Frankfurt am Main 1538; Creutzbüchlein, darinnen vier vnd zwenzig Vrsachen vermeldet werden, warumb die reine Lere des Euangelij, trewe Prediger vnd frome christen, one Creutz vnd Leiden nicht sein mögen. (Mit einer Vorrede Philipp Melanchthons). Leipzig 1549; Zwo Predigten Erasmi Sarcerii, eine wider das Teuflische, vnordentliche, vnd vihische leben, so man in der Fastnachts zeit treibet. Und die andere vom Fasten. Leipzig 1551; Ein Buch vom heiligen Ehestande und von Ehesachen. Leipzig 1553; Einer christlichen Ordination form vnd weise, vnd was darzu gehörig. Eisleben 1554; Hausbuch fur die einfeltigen Hausveter, von den vornemesten Artickeln der Christlichen Religion ... Leipzig 1555; Auslegung der Euangelien auff die Feste durch das gantze Jar. Leipzig 1555; Ein büchlein von dem banne vnd andern kirchenstraffen, aus Gottes wort, aus apostolischer lere vnd thaten ... Eisleben 1555; Pastorale oder Hirtenbuch, darinn das gantz Ampt allertrewer Pastoren, Lehrer, und Diener der Christlichen Kirchen, beider jhr Lehr und leben belangend, beschrieben wird. Frankfurt am Main 1559.

Lit.: Wilhelm Beste, Die bedeutendsten Kanzelredner der lutherischen Kirche des Reformationszeitalters. Bd. 1. Leipzig 1856. 375-397; - Anton W. Röselmüller, Das Leben und Wirken des E. S. Ein Beitrag zur Reformationsgeschichte. Annaberg 1888 (Schulprogr. Annaberg); - Gustav Eskuche, S. als Erzieher und Schulmann. Siegen 1901 (Schulprogr. Siegen); - P. Diesner, E. S., der Reformator der Grafschaft Wied 1543-1544. In: Monatshefte für rheinische Kirchengeschichte 26, 1932. 3-9; - Robert Stupperich, E. S. In: Siegerland 44, 1967. 33-47; - Joachim Dyck, The first german treatise on homiletics: E. Sacer's "Pastorale" and classical Rhetoric. In: Renaissance Eloquence. Studies in the theory and practice of Renaissance Rhetoric. Ed. by James J. Murphy. Berkeley 1983. 221-237; - Robert Stupperich, Reformatorenlexikon. Gütersloh 1984. 184-185; - RE 17, 482-486; - ADB 33, 727-729; - RGG 3V, 1370; - Kosch 3XIV, 59-61.

Quelle: Biographisches - Bibliographisches Kirchenlexikon, Band VIII (1994), Spalten 1361-1363, Verlag Traugott Bautz, Autor: Reinhard Tenberg